Einzigartig in Deutschland:
Gesamtprojekt Chronobiologie

Um die Gesundheit der Mitarbeiter langfriistig zu erhalten und zu fördern, hat die Klinik Wartenberg vor vielen Jahren ein inzwischen zertifiziertes und mehrfach prämiertes Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) aufgebaut. Eingebettet in das Gesamtprojekt „Chronobiologie“ wurde die Studie „Chronotyp-orientierte Personaleinsatzplanung“ (COPEP) in Kooperation mit verschiedenen Partnern unter der Leitung von Prof. Dr. habil. Thomas Kantermann (FOM Hochschule) durchgeführt – ein Vorhaben, das es in dieser Form noch nirgendwo in Deutschland gab. Aktuell läuft das Folgeprojekt Chronoclinic – die Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse aus der Studie COPEP. Mit diesem Vorhaben nimmt die Klinik Wartenberg eine Vorreiterrolle ein und leistet Pionierarbeit.

Die (Human-)Chronobiologie ist die Wissenschaft von der genetisch bedingten inneren Uhr von Menschen. Diese tickt in einem angeborenen Rhythmus von etwa 24 Stunden – allerdings unterscheidet sich der Start dieser Taktung bei jedem Menschen ein wenig. Die „Lerchen“ sind eher früh am Tag wach und leistungsfähig, die „Eulen“ eher später. Neben diesen grundlegenden Chronotypen kennen Forscher verschiedene Mischformen.

Das Gesamtprojekt „Chronobiologie“ hat drei Säulen, die auf der Basis chronobiologischer Ansätze betrachtet und optimiert werden sollen.

  1. Bewusstseinsbildung
    Die Klinik Wartenberg möchte ihre Mitarbeiter dafür sensibilisieren, dass sich die Berücksichtigung des Chronotyps positiv auf ihr Schlafverhalten – und damit auch auf ihre Gesundheit, ihre Leistungsfähigkeit und ihr allgemeines Wohlbefinden – auswirkt.
  2. Personaleinsatzplanung
    Bei der Planung der Dienstzeiten wird auf Wunsch der natürliche, genetisch bedingte Schlaf-/ Wach-Rhythmus der einzelnen Mitarbeiter einbezogen werden.
  3. Arbeitsumgebungsvariablen
    Die erweiterte Arbeitsumgebung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle – vor allem der Aufenthalt im Freien sowie die Optimierung der Ernährung und der Beleuchtungsverhältnisse in den Gebäuden.

Bei internen Erhebungen (Mitarbeiterbefragungen, Qualitätsaudits, Arbeitssituationsanalysen etc.) waren Schlafstörungen und deren psychosomatische und körperliche Auswirkungen wie Abgespanntheit, Müdigkeit und Mattheit immer häufiger ein Thema. Zusätzlich bringen die Auswirkungen der Corona-Pandemie neuartige Belastungen mit sich, die sich vor allem in einer veränderten Work-Life-Situation darstellen.

Mit dem Gesamtprojekt „Chronobiologie“ wollen Klinikleitung, BGM-Fachkräfte und der Betriebsrat dieser veränderten Situation entgegenwirken.

Der Startschuss für die Studie „Chronotyp-orientierte Personaleinsatzplanung“ (COPEP) fiel im März 2019. Im Oktober 2019 war die Belegschaft der Klinik Wartenberg eingeladen, anonym und kostenlos ihren individuellen Chronotyp bestimmen zu lassen. Ob ein Angestellter das Ergebnis intern weitergeben und auf dieser Basis seine Arbeitszeit anders ausrichten möchte, entscheidet er allein.

Ermittelt wurde der Chronotyp durch einen wissenschaftlichen Fragebogen und eine Blutuntersuchung. Dieser Biomarkertest wurde an der Berliner Charité entwickelt, die über die Arbeitsgruppe BODYTIME an dem Projekt beteiligt ist.

Zudem fanden, zusammen mit der AOK Bayern, der aliamos GmbH und der Arbeitsgruppe BODYTIME, Aktionstage und Informationsveranstaltungen zur Chronobiologie statt.

Es wurde erwartet, dass sich die Anpassung der Arbeitszeiten an den individuellen Chronotyp positiv auf Schlafdauer, Schlafqualität und das Wohlbefinden der Teilnehmer*innen auswirkt.

Diese positiven Effekte sollten sich wiederum in einer Erhöhung der Arbeitszufriedenheit sowie einer Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes widerspiegeln.

1. Ziel: Verbesserung der Schlafqualität

  • 42% weniger Personen klagten über Schlafstörungen
  • 20% weniger Personen berichten über eine schlechte bis sehr schlechte Schlafqualität
  • 26% mehr Personen gaben an, keine Tagesmüdigkeit mehr zu verspüren

 

2. Ziel: Erhöhung der durchschnittlichen Schlafdauer

  • 16% weniger Personen machten zum Aufstehen vom Wecker Gebrauch

 

3. Ziel: Reduzierung von Krankheitsrisiken

  • Der Anteil der Personen mit klassischen Krankheiten (Rückenschmerzen, Nacken- und Schulterschmerzen, Herz-Kreislauf-Probleme) nahm um 24,7% ab
  • Die Anzahl an Personen mit 3 oder mehr Krankheiten nahm um 48% ab

4. Ziel: Erhöhung des Wohlbefindens

  • 18% weniger Personen gaben an, ein schlechtes Wohlbefinden zu verspüren
  • 20% mehr Personen gaben an „kein Problem“ mit Enthusiasmus für das tägliche Leben zu verspüren

Das Projekt Chronobiologie ist Teil unseres Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM), das durch die AOK Bayern und die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) prämiert wurde. Weitere Säulen sind Gesundheit, Fitness und Entspannung.

Unser Projekt Chronobiologie im Überblick

  • März 2019

    Start des Projekts Chronobiologie, unter anderem Entwicklung des Projektplans und Beginn der engen Zusammenarbeit mit den Projektpartnern

  • April 2019

    Gesamtauswertung der Mitarbeiterbefragung 2018 – auch hier waren Schlafprobleme häufig ein Thema

  • Seit Mai 2019

    Umsetzung der Maßnahmen: Vorträge, Flyer, kontinuierliche Kommunikation mit Mitarbeitern und Partnern etc.

  • Juli 2019

    Gesundheitstag mit Schwerpunkt Chronobiologie, zusammen mit der AOK Bayern, der aliamos GmbH und der Charité Berlin

  • Oktober 2019

    Gesundheitswoche mit Blutentnahmen und Informationen rund um guten und erholsamen Schlaf

  • November 2019

    Mitarbeiter-Interviews mit Experten der aliamos GmbH zur Konkretisierung der empfohlenen Arbeitsfenster auf Basis des Chronotyps bzw. des biologischen Schlaffensters

  • Dezember 2019

    Übergabe der Ergebnisse aus Bluttests und Fragebögen an die teilnehmenden Mitarbeiter

  • Februar und März 2020

    Gespräche der Dienstplanverantwortlichen mit den teilnehmenden Mitarbeitern

  • April bis Juli 2020

    Änderung der Dienstpläne: Einsatz der teilnehmenden Mitarbeiter entsprechend ihrem Chronotyp

  • Ab August 2020

    Umsetzung der Erkenntnisse in der Klinik

Welche Folgen hat ein Leben gegen die innere Uhr?

Die natürliche innere Uhr folgt zwar einem circadianen Rhythmus (24 Stunden), „tickt“ jedoch bei jedem Menschen unterschiedlich. Dem gegenüber stehen die Anforderungen der Gesellschaft und vor allem der Arbeitswelt, deren Taktung meist keine Rücksicht auf die innere Uhr des Einzelnen nimmt.

Diese Kluft betrifft vor allem die Schichtarbeit, aber auch die klassischen Arbeitsformen mit und ohne flexible Anfangszeiten – schließlich brauchen über 70 % der arbeitenden Bevölkerung morgens einen Wecker, um aufzustehen. Das bedeutet, dass diese Menschen nicht ausreichend lange schlafen können. Die Folgen sind Schlafstörungen und Schlafmangel, was wiederum zu psychosomatischen und körperlichen Erkrankungen, Suchtproblematiken oder Fettleibigkeit führen kann.

Grafik: Michael Wieden, aliamos GmbH

„Die Natur kennt keine Zeit, nur Rhythmen und Perioden.“
Michael Wieden, aliamos GmbH

Welche Partner betreuen das Gesamtprojekt?

Diese Partner steuern das Projekt Chronobiologie an der Klink Wartenberg:

  • Klinik Wartenberg (Auftraggeber)
  • AOK Bayern – Die Gesundheitskasse, Direktion Erding-Freising
  • Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege
  • FOM Hochschule für Oekonomie & Management, Neuss
  • aliamos GmbH, Ratingen
  • Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Immunologie, Arbeitsbereich Chronobiologie
  • BODYCLOCK Technologies GmbH
Grafik: Arbeitsgruppe BodyTime, Prof. Kramer, Charité Berlin

Die horizontale x-Achse gibt den Zeitpunkt der Melatonin-Ausschüttung an, der den Menschen auf den Schlaf vorbereitet (pDLMO = Dim Light Melatonin Onset). Idealerweise sollte man 1,5 bis 2 Stunden danach schlafen gehen.

Grafik: Michael Wieden, aliamos GmbH

„Die Natur kennt keine Zeit, nur Rhythmen und Perioden.“
Michael Wieden, aliamos GmbH

Grafik: Arbeitsgruppe BodyTime, Prof. Kramer, Charité Berlin

Die horizontale x-Achse gibt den Zeitpunkt der Melatonin-Ausschüttung an, der den Menschen auf den Schlaf vorbereitet (pDLMO = Dim Light Melatonin Onset). Idealerweise sollte man 1,5 bis 2 Stunden danach schlafen gehen.

Welche Folgen hat ein Leben gegen die innere Uhr?

Die natürliche innere Uhr folgt zwar einem circadianen Rhythmus (24 Stunden), „tickt“ jedoch bei jedem Menschen unterschiedlich. Dem gegenüber stehen die Anforderungen der Gesellschaft und vor allem der Arbeitswelt, deren Taktung meist keine Rücksicht auf die innere Uhr des Einzelnen nimmt.

Diese Kluft betrifft vor allem die Schichtarbeit, aber auch die klassischen Arbeitsformen mit und ohne flexible Anfangszeiten – schließlich brauchen über 70 % der arbeitenden Bevölkerung morgens einen Wecker, um aufzustehen. Das bedeutet, dass diese Menschen nicht ausreichend lange schlafen können. Die Folgen sind Schlafstörungen und Schlafmangel, was wiederum zu psychosomatischen und körperlichen Erkrankungen, Suchtproblematiken oder Fettleibigkeit führen kann.

Welche Partner betreuen das Projekt?

Diese Partner sind am Projekt Chronobiologie an der Klink Wartenberg aktiv beteiligt:

  • Klinik Wartenberg (Auftraggeber)
  • AOK Bayern – Die Gesundheitskasse, Direktion Erding
  • Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege
  • FOM Hochschule, iap Institut für Arbeit & Personal
  • aliamos GmbH, Ratingen
  • Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Immunologie, Arbeitsbereich Chronobiologie, Arbeitsgruppe BODYTIME

Studienleitung: Prof. Dr. habil. Thomas Kantermann, FOM Hochschule, iap Institut für Arbeit & Personal


Ihre Ansprechpartner

  • Norman Daßler
    Norman Daßler Leiter Controlling, BGM-Beauftragter

    Tel.: 08762 / 91-716

„Die Arbeitszeit soll so weit wie möglich an den individuellen Chronotyp angepasst werden – dies sehe ich auch als Zeichen der Wertschätzung für das Engagement unserer Mitarbeiter.“

Unsere Partner im Überblick