Die Planer und Erbauer schufen neben der Palliativstation einen geeigneten Raum für Ruhe und Stille, in dem sie die vier Elemente Erde, Feuer, Wasser und Luft wirken lassen. Der erste Eindruck ist schlicht, ja puristisch, ein archaischer Raum in ockerfarbenem Lehmputz mit klaren Bänken und Hockern aus Eichenholz vom Wald hinter der Klinik. Die erdige Atmosphäre wird aufgebrochen durch Licht von oben, untertags strömt durch eine runde Öffnung Helligkeit herein; und wenn es dämmrig wird, tauchen Lichtbänder an der Wand den Raum in ein warmes Licht. In der Nacht leuchten an der blauen Decke kleine Lichtspots wie Sterne am Himmel. Der zeitlos schlicht gestaltete Raum schenkt Geborgenheit und der Seele Luft zum Atmen. Durch die offene Holztüre tritt man von außen ein, mitten im nie ruhenden Klinikbetrieb kommt man in Berührung mit seinem Innerem. Am runden Glasauge oben perlen bei Regen Wassertropfen und fließen ins Blau der Decke über. Für alle Gefühle des Menschen ist hier Platz – freudige Erwartung, Spannung und Angst, Wut, Enttäuschung oder Trauer. In der Stille kann es sich wandeln in Annahme, Heil und Segen.

Die drei heiligen Zeichen KREUZ, TISCH und KERZENSCHALE geben Zeugnis von der göttlichen Gegenwart unter den Menschen. Um die Anwesenheit des Unendlichen und Unfassbaren in der Stille zu ertasten und zu erspüren braucht es Zeit. 

Bild Raum der Stille in der Klinik Wartenberg. Bänke und Stühle an den Seiten der Wände. Die Wände und der Boden sind lehmfarben, die Decke dunkelblau. Ein rundes Fenster in der Decke spendet Licht.

 

Ein Raum der Stille ist kostbar – Zeit für die Seele noch viel mehr. Unsere Seele braucht vor allem stille Zeit. Stille sehnt man ja oft herbei, aber wenn sie da ist, flieht man vor ihr. Stille ist immer da. Nur ich, bin ich ganz wach? Bin ich ganz da und gegenwärtig?  

„Wenn Du Dein ganzes Leben und Erleben völlig ins Tätigsein verlegst

und keinen Raum mehr für die Besinnung vorsiehst,

soll ich Dich da loben?

Wie kannst Du voll und echt Mensch sein,

wenn Du Dich selbst verloren hast?

Damit deine Menschlichkeit allumfassend und vollkommen sein kann,

musst Du also nicht nur für die anderen,

sondern auch für Dich selbst ein aufmerksames Herz haben.

Denk also daran:

Gönne Dich Dir selbst.“

Bernhard von Clairvaux an Papst Eugen III

Der neue Raum der Stille neben der Palliativstation ist offen für alle Patienten, Angehörige und Mitarbeitende, die im Haus einen Ort suchen, wo sie in Ruhe zu sich kommen und in Stille beten können. Alle dürfen an der Kerze ein Licht anzünden für die Menschen und Anliegen, die ihnen am Herzen liegen.

Es ist ein christlicher Raum, der offen ist für alle Menschen gleich welcher Konfession oder Religion. Der Respekt für die je andere religiöse bzw. spirituelle Einstellung, dass die Stille eingehalten wird und dass einer den anderen nicht stört, ist Bedingung für ein achtsames Miteinander.

Dass es bei uns in der Klinik einen solchen Raum gibt, der einlädt sich dem eigenen Inneren, der Seele zuzuwenden, ist kostbar und nicht hoch genug einzuschätzen. Der Mensch als Ganzer ist mehr als die Summe seiner Teile, mehr als seine Rolle, Funktion oder Leistung. „Sei ein Mensch!“ war das eindringliche Vermächtnis von Marcel Reifs Vater an ihn, und Kathi Stimmer-Salzeder fasst es in einem ihrer Lieder so: 

„Wir sind viele – Mensch an Mensch, 

und wir gehören Mensch zu Mensch

und wir brauchen Mensch für Mensch,

um zu leben – Mensch mit Mensch.“

Wer Anregungen oder Fragen hat, wende sich bitte an Regina Eckart-Bracher oder Sibylle Eder von der Seelsorge unter Tel. – 870.